Kreidezähne (MIH) bei Kindern in Berne: Ursachen, Symptome & Behandlung
Ihnen ist an den Zähnen Ihres Kindes etwas aufgefallen: gelblich-braune oder cremeweiße Flecken auf den Backenzähnen, raue Stellen, die beim Zähneputzen wehtun, oder Zähne, die auf Kaltes und Heißes empfindlich reagieren? Viele Eltern in Berne und der Wesermarsch machen sich in dieser Situation Sorgen und fragen sich, ob sie etwas falsch gemacht haben. Die gute Nachricht vorweg: Meist steckt keine Karies und schon gar kein Erziehungs- oder Pflegefehler dahinter, sondern ein weit verbreitetes Phänomen, das Fachleute Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation (kurz MIH) nennen. Im Volksmund Kreidezähne.
In diesem Blog erklären wir Ihnen verständlich, was Kreidezähne sind, woran Sie sie erkennen, welche Ursachen diskutiert werden und wie sich betroffene Zähne schützen und behandeln lassen. Als Zahnarztpraxis in Berne betreuen wir Familien aus der gesamten Umgebung, von Brake über Elsfleth bis Lemwerder, Hude und Ganderkesee, und begleiten Kinder von der ersten Vorsorge bis zum bleibenden Gebiss.
Das Wichtigste in Kürze
- Kreidezähne (MIH) sind eine entwicklungsbedingte Störung des Zahnschmelzes an den ersten bleibenden Backenzähnen und/oder Schneidezähnen – keine Karies und kein Ergebnis von schlechtem Putzen oder zu viel Zucker.
- Rund jedes siebte 12-jährige Kind in Deutschland ist betroffen (15,3 %, DMS 6, 2025).
- Die genaue Ursache ist bis heute ungeklärt; vermutet wird ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren in den ersten Lebensjahren.
- Typische Anzeichen: cremeweiße bis gelb-braune Flecken, poröser Schmelz, Abbrüche und Überempfindlichkeit.
- Heilbar sind Kreidezähne nicht, aber gut behandelbar – je früher sie erkannt werden, desto besser. Regelmäßige Kontrollen sind entscheidend.
Was sind Kreidezähne genau?
Der Begriff „Kreidezähne“ beschreibt anschaulich das Problem: Der normalerweise steinharte Zahnschmelz ist bei betroffenen Zähnen weich, porös und kreideartig. Fachlich handelt es sich um eine Hypomineralisation. Das bedeutet, dass während der Zahnbildung zu wenig Mineralien in den Schmelz eingelagert wurden. Der Schmelz enthält dadurch mehr Wasser und Eiweiß und weniger stabilisierende Mineralien, ist weicher und kann unter normaler Kaubelastung abbröckeln, obwohl der Zahn gut gepflegt wird.
Welche Zähne sind betroffen?
Der Name „Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation“ verrät es: Betroffen sind vor allem die ersten bleibenden Molaren (Backenzähne). Die sogenannten „Sechsjahrmolaren“, die etwa mit sechs Jahren durchbrechen. Sowie teilweise die bleibenden Inzisiven (Schneidezähne). Zunehmend zeigen sich ähnliche Veränderungen auch an den Milchbackenzähnen. Kinder mit betroffenen Milchzähnen entwickeln später häufiger auch an den bleibenden Zähnen eine MIH. Ein wichtiger Grund, schon im Milchgebiss aufmerksam zu sein.
Der Unterschied zu Karies
Kreidezähne sind keine Karies. Karies entsteht nach dem Zahndurchbruch durch Bakterien und Säuren im Zahnbelag. MIH dagegen ist bereits „mitgebracht“: Die Störung entsteht, bevor der Zahn überhaupt sichtbar wird. Allerdings sind Kreidezähne deutlich anfälliger für Karies, weil der geschwächte Schmelz den Zahn schlechter schützt und empfindliche Stellen oft nicht richtig geputzt werden. Umso wichtiger ist eine konsequente Prophylaxe, die wir in unserer Praxis gezielt auf Kinder abstimmen.
Wie häufig sind Kreidezähne?
Kreidezähne sind längst keine Seltenheit mehr. Nach der aktuellen Sechsten Deutschen Mundgesundheitsstudie (DMS 6, 2025) ist etwa jedes siebte 12-jährige Kind betroffen (15,3 %). Bei den meisten Kindern verläuft die MIH mild, bei einem Teil kommt es jedoch zu Schmelzeinbrüchen. Im Durchschnitt sind bei einem erkrankten Kind mehrere Zähne betroffen. International wird eine ähnliche Größenordnung berichtet. Kurz: Wenn Ihr Kind Kreidezähne hat, sind Sie damit alles andere als allein.
Ursachen: Warum bekommt ein Kind Kreidezähne?
Das ist die Frage, die Eltern am meisten beschäftigt und die ehrliche Antwort lautet: Die genaue Ursache ist trotz jahrzehntelanger Forschung nicht abschließend geklärt. Sicher ist nur der Zeitraum: Weil sich der Schmelz der betroffenen Zähne etwa vom letzten Schwangerschaftsdrittel bis zum vierten Lebensjahr bildet, muss die Störung in diesem Zeitfenster entstanden sein. Fachleute gehen von einem Zusammenspiel mehrerer Faktoren aus. Diskutiert, aber nicht bewiesen, werden unter anderem:
- Fieberhafte Infekte und Erkrankungen der oberen Atemwege in den ersten Lebensjahren
- Komplikationen in Schwangerschaft oder Geburt, Frühgeburtlichkeit, Sauerstoffmangel
- Bestimmte Medikamente (z. B. Antibiotika) in der frühen Kindheit
- Vitamin-D- oder Mineralstoffmangel sowie eine mögliche genetische Veranlagung
- Umweltfaktoren
Häufig taucht in diesem Zusammenhang der Weichmacher Bisphenol A (BPA) auf. Hier lohnt eine nüchterne Einordnung: Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat die Datenlage geprüft und hält einen Zusammenhang zwischen der Aufnahme von Bisphenol A und Kreidezähnen nach derzeitigem Wissensstand für unwahrscheinlich. Die tatsächliche Aufnahme bei Kindern liegt um ein Vielfaches unter den Mengen, die in Tierversuchen eingesetzt wurden; zudem ist BPA in Babyflaschen ohnehin seit Jahren verboten.
Das Wichtigste für Sie als Eltern: Kreidezähne entstehen nicht durch falsches Zähneputzen, zu viel Süßes oder mangelnde Fürsorge. Sie tragen keine Schuld. Aber Sie können viel dafür tun, die Zähne Ihres Kindes bestmöglich zu schützen.
Symptome: Woran erkenne ich Kreidezähne?
Kreidezähne zeigen sich meist mit einer typischen Kombination aus Verfärbungen und Empfindlichkeit. Achten Sie auf diese Anzeichen:
- Verfärbungen: scharf begrenzte Flecken von cremeweiß über gelblich bis bräunlich auf Kauflächen, Höckern oder an den Schneidezähnen. Faustregel: Je dunkler und größer der Fleck, desto ausgeprägter die Störung.
- Poröser, rauer Schmelz mit stumpfer Oberfläche, teils mit kleinen Furchen.
- Schmelzabbrüche: Teile der Zahnoberfläche „bröckeln“ nach dem Durchbruch unter Kaubelastung ab.
- Überempfindlichkeit: Schmerz oder Ziehen bei heiß, kalt, süß und beim Zähneputzen. Oft das erste Warnsignal.
- Erhöhtes Kariesrisiko und in stärkeren Fällen Schmerzen.
Weil das Putzen an den betroffenen Stellen wehtut, sparen Kinder diese Zähne beim Zähneputzen oft unbewusst aus. Wodurch das Kariesrisiko zusätzlich steigt. Die Ausprägung reicht von einer milden Form (nur einzelne Flecken ohne Substanzverlust) bis zu einer schweren Form mit großflächigen Einbrüchen. Wenn Sie unsicher sind, ob es sich um Kreidezähne handelt, schauen wir in der Praxis genau hin und ordnen den Befund für Sie ein.
Behandlung: Was tun bei Kreidezähnen?
Kreidezähne lassen sich nicht heilen, aber sehr gut stabilisieren und schützen. Unser Ziel ist immer, dass Ihr Kind wieder schmerzfrei essen, trinken und Zähne putzen kann und die betroffenen Zähne möglichst lange erhalten bleiben. Welche Maßnahmen sinnvoll sind, hängt vom Schweregrad ab. In der modernen Kinderzahnheilkunde hat sich dafür ein abgestuftes Vorgehen etabliert:
Schutz und Vorbeugung (milde Formen)
- Intensivprophylaxe mit engmaschigen Kontrollen und professioneller Reinigung der empfindlichen Zähne.
- Fluoridierung mit hochkonzentrierten Lacken oder Gelen in der Praxis, um den Schmelz zu härten.
- Fissurenversiegelung der Kauflächen, um Vertiefungen vor Karies zu schützen.
- Desensibilisierung mit speziellen Präparaten gegen die Überempfindlichkeit.
Wiederherstellung (stärkerer Substanzverlust)
- Füllungen – je nach Situation zunächst als Übergangslösung, später als dauerhafte, zahnfarbene Versorgung.
- Kronen (z. B. konfektionierte Kinderkronen), wenn größere Anteile des Zahns geschützt werden müssen.
- Entfernung stark geschädigter Molaren als letzte Option – idealerweise mit kieferorthopädischer Planung zum richtigen Zeitpunkt, damit der nachfolgende Zahn die Lücke schließen kann.
Für eine gute Versorgung ist es entscheidend, dass Kreidezähne früh erkannt und regelmäßig kontrolliert werden. Deshalb sind Vorsorgetermine bei Kindern so wertvoll. Oft lässt sich mit kleinen, sanften Maßnahmen viel erreichen, bevor größere Schäden entstehen. Auch für Angstpatientinnen und Angstpatienten, gerade bei Kindern ein wichtiges Thema, nehmen wir uns bewusst Zeit und gehen behutsam vor.
Was Sie als Eltern zu Hause tun können
Auch wenn sich die Entstehung von Kreidezähnen nicht sicher verhindern lässt, können Sie die Zähne Ihres Kindes wirksam schützen:
- Zweimal täglich mit fluoridhaltiger Zahnpasta putzen – die passende Fluoridmenge richtet sich nach dem Alter Ihres Kindes.
- Nachputzen: Kinder brauchen beim Putzen lange Unterstützung, bis die Feinmotorik ausgereift ist.
- Zuckerarme, ausgewogene Ernährung und zuckerhaltige Getränke möglichst meiden.
- Empfindlichkeit lindern mit speziellen Zahnpasten oder Präparaten. Am besten nach zahnärztlicher Empfehlung.
- Regelmäßige Vorsorge und Kinderprophylaxe wahrnehmen, mindestens zweimal jährlich.
Kosten & Krankenkasse: Was übernimmt die Kasse?
Für Kinder und Jugendliche übernimmt die gesetzliche Krankenkasse einen großen Teil der wichtigen Vorsorge- und Schutzmaßnahmen. Die folgende Übersicht gibt Ihnen eine erste Orientierung:
| Leistung | Typische Orientierung | Kostenträger |
|---|---|---|
| Früherkennung (FU/Zahnvorsorge) für Kleinkinder | im Leistungskatalog enthalten | Gesetzliche Krankenkasse |
| Individualprophylaxe & Fluoridierung (6–17 J.) | 2× jährlich enthalten | Gesetzliche Krankenkasse |
| Fissurenversiegelung bleibende Molaren (6er/7er) | enthalten (6–18 J.) | Gesetzliche Krankenkasse |
| Füllungen & konfektionierte Stahlkronen (Kinder) | zuzahlungsfrei bei Regelversorgung | Gesetzliche Krankenkasse |
| Professionelle Zahnreinigung (PZR) | ca. 40–120 € je Sitzung | meist privat (teils Kassenzuschuss) |
| Versiegelung Milchzähne / Prämolaren | ca. 15–50 € pro Zahn | meist privat (teils Satzungszuschuss) |
| Weiße Kinderkronen (Keramik) | individuell | private Wunschleistung |
Hinweis: Die genannten Beträge sind eine unverbindliche Orientierung und können je nach Krankenkasse, Aufwand und Material abweichen. Verbindlich ist immer der individuelle Heil- und Kostenplan Ihrer Praxis. Einzelne Kassen bezuschussen zusätzliche Leistungen (z. B. PZR oder Versiegelungen) freiwillig über ihre Satzung. Ein Blick in die Leistungen Ihrer Kasse lohnt sich.
Häufige Fragen zu Kreidezähnen
Sind Kreidezähne ansteckend?
- Nein. Kreidezähne sind eine Entwicklungsstörung des Zahnschmelzes und nicht übertragbar. Weder von Zahn zu Zahn noch von Mensch zu Mensch.
Entstehen Kreidezähne durch schlechtes Putzen oder zu viel Zucker?
- Nein. Die Störung entsteht bereits während der Zahnentwicklung, unabhängig von Putz- und Ernährungsverhalten. Weil Kreidezähne aber anfälliger für Karies sind, sind gute Mundhygiene und Vorsorge trotzdem besonders wichtig.
Gehen Kreidezähne von allein wieder weg?
- Nein. Der Schmelzdefekt bleibt bestehen und lässt sich nicht „heilen“. Er lässt sich jedoch gut behandeln und stabilisieren, sodass die Zähne geschützt und schmerzfrei bleiben.
Kann man Kreidezähnen vorbeugen?
- Eine gezielte Vorbeugung ist derzeit nicht verlässlich möglich, weil die Ursachen unbekannt sind. Sehr wohl schützen lassen sich aber die betroffenen Zähne. Durch Fluoridierung, Versiegelung und regelmäßige Kontrolle.
Ab welchem Alter sollte ich mit meinem Kind zur Kontrolle kommen?
- Grundsätzlich gilt: je früher, desto besser. Milchbackenzähne lassen sich schon im Kleinkindalter beurteilen, die bleibenden Backen- und Schneidezähne rund um den Zahnwechsel ab etwa sechs Jahren. Bei bereits bekannter MIH sind engmaschigere Kontrollen sinnvoll.
Seriöse Quellen zum Weiterlesen
- Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) – Bewertung zu BPA und Kreidezähnen
- Sechste Deutsche Mundgesundheitsstudie (DMS 6), KZBV/BZÄK
- DGZMK/DGKiZ – Patienteninformation „Kreidezähne (MIH)“
- Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung – Individualprophylaxe & Früherkennung
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt nicht die persönliche Beratung in unserer Praxis. Bei konkreten Fragen zu den Zähnen Ihres Kindes wenden Sie sich bitte direkt an die Zahnarztpraxis Uwe Remmers in Berne.
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